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Ein echter Europäer

Yordan Terzievs aus Bulgarien

Das kleine Zimmer ist spartanisch eingerichtet. Es ist aufgeräumt und sauber. Auf dem Schreibtisch steht ein Familienfoto und darüber ist ein Regal befestigt, in dem einige Bücher stehen. Dies ist das Reich von Yordan Terzievs.

 


Mit Bachelor und Master international handlungsfähiger

Wie der Name schon vermuten lässt, kommt Yordan nicht aus Deutschland. Seine Heimat ist Bulgarien - genauer gesagt: Das kleine Örtchen Smolyan im Süden des Landes, nahe der griechischen Grenze. Der gebürtige Bulgare lebt seit 2004 in Deutschland und gehört zu den vielen EU-Bürgern, die in Duisburg studieren. Bald macht Yordan seinen Bachelor in Informatik und anschließend den Masterabschluss. Diese in Deutschland neu eingeführten Studiengänge ermöglichen es ihm sich international für eine Stelle zu bewerben. Ob er dann in Deutschland bleibt oder zurück in seine Heimat geht, macht er von den Jobangeboten abhängig.

Deutschkurs in Duisburg

Das Sommersemester 2008 ist das sechste Fachsemester des 22-jährigen. Zu Beginn seines Studiums kam er fast mittellos in das Ruhrgebiet. Da er noch nicht ausreichend deutsch sprechen konnte, wurden seine Bewerbungen an den Technischen Universitäten von Darmstadt, Aachen und Berlin abgelehnt. In Duisburg war es ihm möglich einen DSH-Kurs (Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang) zu besuchen. Die Teilnahme kostete ihn rund 1000 Euro, dafür konnte Yordan nach der erfolgreichen Prüfung sein Informatikstudium an der damals frisch fusionierten Universität Duisburg-Essen aufnehmen. Er habe Glück gehabt, so sagt er, und möchte sein Studium hier nun auch beenden.

Weniger bürokratische Hürden durch EU-Beitritt Bulgariens

Warum er Deutschland gewählt habe? Ganz einfach: Wie in jedem Lebenslauf mache sich ein Auslandsaufenthalt positiv bemerkbar. Yordan hätte in Bulgarien studieren können, aber er wollte eine Herausforderung. Auch wenn sein Heimatland erst seit 2007 in der EU ist, hatte der junge Bulgare keinerlei Schwierigkeiten mit seinem Visum nach Deutschland zu kommen. Allerdings musste er regelmäßig eine Verlängerung beantragen, die mit einer Gebühr verbunden war. Seit dem Beitritt Bulgariens hat Yordan dieses Problem nicht mehr. Außerdem ist es nun unkomplizierter die 2000 Kilometer lange Strecke von Duisburg nach Smolyan zurückzulegen.

Leichtere Finanzierung des Studiums als EU-Bürger

Ein weiterer Anreiz war das vermeintlich kostenfreie Studium in Deutschland. Seit dem vergangenen Jahr muss auch Yordan pro Semester zum obligatorischen Semesterbeitrag von rund 160 Euro noch 500 Euro Studiengebühren zahlen. Er sieht hier einen entscheidenden Vorteil in dem Beitritt Bulgariens zur EU: Als Nicht-EU-Bürger erhalte man keinen günstigen Kredit zur Finanzierung des Studiums. Auch wenn ihn die Gebühren finanziell belasten, sieht er sich noch in einer glücklichen Lage. Ein Freund von ihm studiert in England und muss pro Jahr über 3000 Euro für sein Studium bezahlen.

Yordan: "Studiengebühren effizient und gezielt einsetzen!"

Vergleicht Yordan seine Heimatstadt mit Duisburg, fallen ihm zumeist finanzielle Unterschiede ein. Natürlich seien die Lebenshaltungskosten in Smolyan günstiger als in Duisburg. Jedoch, betont er, erhalte man dort auch weniger Einkommen. Mit den eingeführten Studiengebühren ist das Studium in Duisburg teurer als in seiner Heimat. Dort muss jeder Studierende 250 Euro pro Semester bezahlen. Prinzipiell findet Yordan Studiengebühren richtig, doch sollten diese auch effizient und gezielt eingesetzt werden; So z.B. für neue Lehrmaterialien und ein umfangreiches Kursangebot.

Auf die Frage, ob er sich in Duisburg gut aufgenommen fühlt, antwortet Yordan nach einer kurzen Pause: „Wenn man sich an die Gegebenheiten versucht anzupassen und nicht erwartet, dass alles zu einem kommt, dann hat man keine Probleme und wird auch gut aufgenommen.“ Die Duisburger seien zwar nicht so kontaktfreudig wie die Menschen in seiner Heimat, so Yordan, aber lerne man erstmal jemanden richtig kennen, ließen sich viele Freunde finden.

Robert Salzmann

 

Republik Bulgarien (Republika Balgarija): Bulgarien hat ca. 7,7 Mio. Einwohner, davon leben ca. 1,2 Mio. in der Hauptstadt Sophia. Bulgarien grenzt an Griechenland, Türkei, Rumänien, Serbien und Mazedonien und ist seit dem 1.1.2007 EU-Mitglied. - Infos des Auswärtigen Amtes

Smolyan offizielle Homepage der Heimatstadt Wappen von Smolyan
von Yordan Terzievs
(auf englisch)
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