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Bulgarien als Teil des Friedensprojekts EU

Blagovest Alexandrov aus Bulgarien

Blagovest Alexandrov aus Bulgarien ist in das Ruhrgebiet umgezogen. Er schildert seine Eindrücke vom Leben und Studieren in der BRD, seine Empfindungen zum EU-Beitritt Bulgariens und seine Wünsche an die westlichen EU-Bürger.

 


„Duisburg war ein Zufall, aber auch ein Glücksfall“

Blagovest Alexandrov entschied sich im Alter von 17 Jahren für ein Auslandsstudium in der EU. Obwohl er weder Verwandte noch Freunde in Deutschland hatte, fiel seine Wahl auf die BRD. Ein Studium in Deutschland sollte ihm bessere berufliche Chancen und Perspektiven in seiner Heimat Bulgarien eröffnen. Nur der Zufall entschied, dass er früh eine Zulassungs-Bescheinigung der Universität Duisburg-Essen erhielt. Darüber freut sich Blagovest im Nachhinein sehr, da er die Menschen im Ruhrgebiet oft als sehr freundlich, offen und humorvoll erlebt. Auch lernt er hier immer wieder Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen kennen. „Dass ich an der Universität Duisburg-Essen studiere war ein reiner Zufall, im Nachhinein empfinde ich es jedoch als ein Glücksfall für mich“, berichtet Blagovest. Heimweh nach seiner über 2300 Km entfernten Heimatstadt Burgas hat Blagovest deswegen nur selten, meistens vermisst er seine Familie und die Meeresluft an der Schwarzmeerküste.

 

Studieren in Deutschland

Nach seiner Ankunft in Deutschland lernte Blagovest in einem einjährigen Sprachkurs in Essen die deutsche Sprache. Der erfolgreiche Abschluss des Sprachkurses ist eine Zulassungsvoraussetzung für das Studium und eine erste Hürde, die Blagovest auf Anhieb überwand.

Das Studium der Politikwissenschaft und die im Grünen gelegene Duisburger Universität gefallen ihm sehr. Negativ empfindet er das Modell des Bachelor-Studiums verbunden mit Studiengebühren. Der Bachelor-Studiengang sei Blagovest zur Folge zu sehr verschult, basiere auf der Übermittlung einer Masse von Informationen und ließe kaum Zeit und Freiheit zum notwendigen Nachdenken zu. Der gehetzte, jobbende Bachelor-Student kenne die universitäre Freiheit nur vom Hörensagen. Vor kurzem hat  Blagovest ein dazu sehr passendes Zitat von Alfred Herrhausen in der FAZ gelesen: „Die meiste Zeit geht dadurch verloren, dass wir keine Zeit mehr haben, zu Ende zu denken.“

Der Aufforderung Kants, den Mut zu haben, sich seines Verstandes zu bedienen, müsste Blagovest zur Folge der heutigen Zeit angepasst werden. Heute sollte man nicht nur den Mut sondern auch die Zeit haben, sich seines Verstandes zu bedienen.

 

Bulgarien als Neumitglied der EU

Seit dem 01.01.2007 ist Bulgarien Mitglied der Europäischen Union, worüber sich Blagovest sehr freut. Stolz verbindet er die europäische mit der bulgarischen Geschichte und hebt die strategische Bedeutung Bulgariens als die süd-östliche Brücke Europas zu Asien hervor.

Von Veränderungen in seinem Heimatland seit dem EU-Beitritt kann Blagovest nur das berichten, was ihm seine Familie in Telefonaten berichtete. Die Bulgaren hätten gemischte Gefühle zu dem EU-Beitritt ihres Landes. Materiell habe sich die Situation der bulgarischen Bürger demnach auf Grund einer starken Inflation sogar zunächst verschlechtert. Ideell seien die meisten Bulgaren jedoch „sehr glücklich darüber, ein vollwertiger Teil der europäischen Gemeinschaft und des Friedensprojektes EU zu sein“, so Blagovest.

Von den Deutschen aber auch von anderen westlichen EU-Bürgern wünscht er sich etwas mehr Interesse für den Osten und Südosten Europas. Etwas traurig macht ihn, dass Bulgarien nur als ein Billigland für den Urlaub bekannt ist und ansonsten sich die Kenntnisse meistens auf den Namen der Hauptstadt erstrecken.

Auch gewann er den Eindruck, dass man Bulgarien und andere östliche EU-Mitglieder in Deutschland zumeist als eine Belastung und schwere Hypothek für die Zukunft der EU empfindet oder die  europäische Identität dieser Staaten bezweifelt. „Europa endet nicht an der deutschen Ostgrenze! Ich wünsche mir sehr, dass man in Westeuropa den Beitritt Bulgariens weniger negativ bewertet und dass Bulgarien auch in den Herzen der Westeuropäer ankommt!“

Peter Sikora

 

Republik Bulgarien (Republika Balgarija): Bulgarien hat ca. 7,7 Mio. Einwohner, davon leben ca. 1,2 Mio. in der Hauptstadt Sophia. Bulgarien grenzt an Griechenland, Türkei, Rumänien, Serbien und Mazedonien und ist seit dem 1.1.2007 EU-Mitglied. - Infos des Auswärtigen Amtes