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Schweden - modern und gesundheitsbewusst

Hannah Sievesand aus Schweden

Spätestens seit dem EU-Beitritt 1995 ist Schweden für viele Deutsche ein beliebtes Auswanderungsland und auch die Universitäten Schwedens erfreuen sich unter deutschen Studenten größter Beliebtheit. Doch wie sieht es umgekehrt aus? Was denkt eine Schwedin über Duisburg und Deutschland?

 


Von Duisburg aus für Brüssel arbeiten

Hannah Sievesand aus Västerås, etwa 100 km westlich von Stockholm, lebt mit ihrer Familie im Duisburger Stadtteil Duissern. Bereits nach dem Abitur ging die heute 34-jährige für ein Jahr als  Aupair nach Deutschland, um ihre Sprachkenntnisse zu erweitern. Ihren deutschen Mann lernte sie allerdings als Austauschstudenten in Schweden kennen. Nachdem sie einige Zeit in den Niederlanden lebte, zog sie vor  7 ½ Jahren nach Duisburg, da ihr Mann hier eine Arbeitsstelle antreten wollte. Hier sind auch ihre beiden Söhne (vier und sechs Jahre) geboren und sprechen sowohl deutsch, als auch schwedisch.

Mit Sprachen kennt sich Hannah Sievesand bestens aus – sie arbeitet als Dolmetscherin am Europäischen Gerichtshof in Brüssel, kann ihre Arbeit jedoch mit dem Computer von Duisburg aus erledigen.

Nebenbei ist sie Vorsitzende in der Schwedischen Gesellschaft in Düsseldorf, die bald ihr 30-jähriges Bestehen feiert. Sie hat knapp 600 Mitglieder und finanziert sich durch Spenden, Sponsoren, Mitgliedsbeiträge und durch Zuwendungen des schwedischen Staates. Sie organisiert nicht nur Mitsommerfeste und andere schwedische Feiern, sondern hat sogar eine eigene Schule, in der die Kinder der Mitglieder einmal in der Woche an schwedischem Sprachunterricht teilnehmen können. Da in Duisburg nur wenige Schweden leben, organisieren sich die „Duisburger Schweden“ in Düsseldorf.

 

„Mehr Menschen und mehr Autos!“

Nach dem auffälligsten Unterschied zwischen Duisburg und ihrer schwedischen Heimat befragt lacht Hannah Sievesand: „Mehr Menschen und mehr Autos! Gerade die häufigen Staus dominieren hierzulande regelrecht die Urlaubs- oder Ausflugsplanung, während man in Schweden einfach losfahren kann, wenn es einem am besten passt.“

Dennoch schätzt sie das, gerade im Sommer, „grüne“ Duisburg. „Wer uns zum ersten Mal besuchen kommt, glaubt vorher eher, sich hier zwischen Industriekomplexen wieder zu finden und ist dann meist positiv überrascht.“ Die Menschen in Duisburg seien offen und freundlich, weshalb es ihr und ihrem Mann nicht schwer viel, Kontakte zu knüpfen. „Wir haben hier viele gute Freunde gewonnen“, sagt Hannah Sievesand.

Im Allgemeinen fällt ihr in Deutschland eine gewisse Bequemlichkeit und mangelndes Gesundheitsbewusstsein auf: So ist zum Beispiel das Rauchen in Gaststätten in Schweden bereits seit Jahren untersagt und die Menschen achten auch im Alltag mehr auf ihre Gesundheit. „Bei uns dient das Fahrrad als normales Fortbewegungsmittel, während es hier viele nur zum Sonntagsausflug aus dem Keller holen.“

 

Die skandinavischen Länder halten zusammen

Obwohl Schweden seit Mitte der 90er Jahre Mitglied der EU ist, wurde der Euro noch nicht eingeführt. Ob oder wann der Euro in Schweden eingeführt wird, ist derzeit ungewiss. Bei einer Volksabstimmung im Jahre 2003 entschied sich die Mehrheit der Schweden gegen den Währungswechsel. Laut schwedischer Regierung, werde es vor 2013 auch keine weitere Abstimmung geben. Wie die nächste dann allerdings ausfallen wird, hängt Hannah Sievesands Ansicht nach vom südlichen Nachbarn ab: „Die Skandinavier halten zusammen und wenn die Dänen sich für den Euro entscheiden sollten, werden es die Schweden wahrscheinlich auch tun.“

Eine Rückkehr nach Schweden schliesst sie nicht kategorisch aus, in Planung ist dies aber nicht. Deutschland und Duisburg sind für sie zur Heimat geworden und den Kontakt nach Schweden könne man  durch das Internet, die günstigen Flugverbindungen und die offenen Grenzen innerhalb der EU dennoch halten.

 

Matthias Beier


Autor:

Matthias Beier - Student der Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen und Autor der Kampagne seit Oktober 2007.