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Was hat Europa mit Zebras zu tun?

Björn Bremer ist Geschäftsführer des MSV Duisburg

Nein, es geht nicht um Artenschutz oder europäisch-afrikanische Umweltpolitik. Dem Duisburger ist klar: Es geht um Fußball – es geht um den MSV Duisburg und Europa. Wir wollten wissen, wie Europa auf den deutschen Profifußball wirkt. Deshalb haben wir den Geschäftsführer des MSV Duisburg, Björn Bremer, besucht und mit ihm über die europäische Sportpolitik und den MSV gesprochen. Dabei haben wir erfahren, wie wichtig Europa auch im Sport inzwischen ist.

 

Die gute alte Zeit: Der MSV auf europäischem Parkett

Der MSV Duisburg und Europa? Echte Fans geraten da ins Schwärmen. Es wird von früher erzählt. Dieser Tage jedoch scheint Europa kein Thema für den von Verletzungssorgen geplagten Erstligisten, der sich gegen den Abstieg in die Zweitklassigkeit stemmt. Oder etwa doch? Die Älteren erinnern sich vielleicht noch: In der Saison 1975/76 spielte der MSV zuletzt im UEFA-Cup. Es war die große Zeit des MSV ‚Dietzburg’, der wohl bis heute erfolgreichsten Mannschaft in der Geschichte der Meidericher. Doch halt, ist es wirklich schon so lange her, dass der MSV auf der europäischen Bühne von sich Reden machte? Mitnichten. Erst 1998 katapultierten sich die Duisburger in den Europa-Pokal der Pokalsieger, wo sie allerdings ein nur sehr kurzes Gastspiel gaben. Schon in der ersten Runde fand der Ausflug in den europäischen Spitzenfußball ein jähes Ende. Der MSV musste sich keinem Geringeren als dem späteren Pokalsieger KRC Genk geschlagen geben.

 

Björn Bremer: „Europa ist ein wichtiges Thema für uns“

Wenn man von Fußball und Europa spricht, denkt man zunächst an die UEFA, an die Champions-League oder die anstehende Europameisterschaft. Europa und Fußball haben aber mehr miteinander zu tun. Neben den europäischen Wettbewerben sehen sich die Vereine mit noch ganz anderen Aufgaben konfrontiert; die Führungsetagen der Clubs stehen vor keiner leichten Aufgabe: Von der Integration ausländischer Spieler, über die Vermarktung der Übertragungsrechte bis hin zur Vertretung ihrer Interessen in Brüssel müssen sie alles im Blick haben. „Europa ist ein wichtiges Thema für uns“, sagt auch Bremer, der sofort klar macht, dass „Europa ganz verschiedene Auswirkungen auf die Arbeit in den Vereinen hat“.

 

Der Sport in Europa ist nicht nur ein gesellschaftliches Phänomen, sondern hat gerade für die Spitzenclubs des Fußballs auch eine starke wirtschaftliche Komponente. Somit geht es auch hier um Fragen des Wettbewerbs, der Arbeitnehmerrechte und viele anderer Dinge mehr, die durch die EU geregelt werden. So sind es auch deutsche Fußballvereine gewohnt, mit den politischen Entscheidungsträgern im ständigen Dialog zu stehen. Der MSV-Geschäftsführer weist aber darauf hin, dass die Kontakte mit zunehmender Entfernung immer schwächer werden. So sind die Beziehungen zur Stadt Duisburg traditionell eng und auch die Beziehungen zum Land Nordrhein-Westfalen sind, nicht zu letzt durch den großen Stadionumbau, gut. Bei der EU ist der MSV zwar nicht direkt vertreten, aber auch Björn Bremer findet es richtig und wichtig, dass auch die DFL mit einem eigenen Büro in Brüssel ansässig ist, um dort insgesamt für die Anliegen des deutschen Profifußballs zu werben.

 

Der Fußball und die Subsidiarität

Im Mehrebenenaufbau des europäischen Hauses gilt das Subsidiaritätsprinzip. Was sich so kompliziert anhört, ist schnell erklärt: Anfallende Probleme sollen soweit wie möglich von den Menschen vor Ort gelöst werden. Die Europäische Union darf nur mitwirken, wenn die Mitgliedsländer ein Problem nicht allein (besser) lösen können. Das gilt auch für den Sport; für den im Wesentlichen die Mitgliedsstaaten zuständig sind und nicht die EU.

In jüngster Zeit mehren sich jedoch die Anzeichen, dass die EU auf den Fußball Einfluss nehmen will. Hier stellt auch Bremer fest, dass „die EU ein neues Tätigkeitsfeld entdeckt hat“, worüber er sich aber offensichtlich nicht nur freut.
Bremers Einschätzung nach spielt hier die Popularität des Fußballs eine wichtige Rolle. Er sieht den Versuch einiger europäischer Politiker, sich über den Fußball eine mediale Bühne zu verschaffen, die anders nur schwerlich erreichbar wäre. Hinzu kommt, dass so Regelungen entstehen, die nach Bremers Meinung unnötig sind.

 

„Bosman“ – Ein Gerichtsurteil verändert die europäische Fußballwelt

Es gibt jedoch auch andere Themenbereiche, wie zum Beispiel Gesundheit, Ausbildung, Jugend oder Wettbewerbsrecht, die eng mit Sport in Verbindung stehen und für die ist die EU wiederum zuständig. Das prominenteste Beispiel für einen solchen Fall ist wohl das Bosman-Urteil des Europäischen Gerichtshofes. Hier wurden die Wettbewerbsregeln der EU auf den Sport übertragen – mit weit reichenden Konsequenzen, wie auch Björn Bremer feststellt: „Das Bosman-Urteil war ein Super-GAU. Es hat alles verändert“. Das Urteil, benannt nach dem damals klagenden belgischen Fußballer Bosman, bestimmt, dass Fußballspieler Arbeitnehmer sind und entsprechende Rechte für sie gelten. Dabei sind sie nach Auffassung des MSV-Geschäftsführers vielmehr selbständige Unternehmer. „Die Position der Spieler ist dadurch sehr gestärkt worden“, so Bremer.

Seiner Einschätzung nach hat durch das Urteil der Wettbewerbscharakter des Fußballs abgenommen. Obwohl sich vor dem Hintergrund der Freizügigkeit die aufwendige Ausbildung von Nachwuchsspielern betriebswirtschaftlich nicht lohnt, hält der MSV an engagierter Jugendarbeit fest. Neben Vorgaben zur Anzahl deutscher Spieler im Kader macht die Ausbildung Spaß und hat sportlich Vorteile. „Gute Ausbildung erhöht langfristig auch die Qualität des Kaders“, so der Manager.

 

Schmelztiegel Ruhrgebiet

„Fußballer sind Künstler“, so Bremer. Deshalb mache es auch keinen großen Unterschied, woher ein Spieler ursprünglich stammt. Die Integration von Spielern und Nachwuchsspielern ist aus diesem Grunde nicht nur sportlich ein Dauerthema. Auch fernab des Platzes sollen sich die Profis beim MSV rundum Wohlfühlen. Dafür sorgt als Ansprechpartner nicht nur der Teammanager, sondern sind alle Mitarbeiter des Vereins sensibilisiert. In der Jugendabteilung funktioniere dies ganz gut, erklärt der Geschäftsführer: Da die meisten jugendlichen Ballakrobaten schon in Deutschland aufgewachsen sind, sei ihre Integration kein Problem. Ohnehin sei die Nationalität vor allem „im Schmelztiegel Ruhrgebiet“ absolut zweitrangig, weshalb Bremer auch respektvoll den Begriff des „Fußball-Deutschen“ prägt.

 

Wie steht’s mit den Spielerberatern?

Die professionelle Spielerberatung macht immer wieder negative Schlagzeilen, in denen es meist um dubiose Geschäfte von zwielichtigen Beratern geht. Die EU plant hier eine Regelung vorzugeben. „Aus Sicht des MSV würde das Sinn machen“, bestätigt Bremer, der es auch von sich weist, mit unlizenzierten Beratern zu verhandeln. Eine Regelung durch die EU oder aber auch durch die Fifa könnte für Klarheit sorgen. „Das ist ja nicht nur ein europäisches, sondern ein weltweites Problem“, so der MSV-Geschäftsführer.
Zusammenfassend beurteilt Bremer die europäische Rolle im Fußball sachlich und differenziert: „Grundsätzlich wäre weniger Staat besser, aber da wo es sachlich geboten erscheint, sollte man europäische Regelungen unterstützen“.

 

Der Weltmeister zu Gast bei Freunden

 Auch sportlich haben die Duisburger beste Kontakte zu anderen europäischen Clubs. Nicht zuletzt durch zahlreiche Freundschaftsspiele ergebe sich die Chance, andere Vereine kennen zu lernen. Als hervorragend gelungenes Beispiel sieht Bremer die Rolle als Gastgeber bei der WM 2006, wo Duisburg der Quartierstandort der italienischen Mannschaft war. Man habe sehr positive Erfahrungen mit den italienischen Gästen gemacht. Ganz fernab der politischen Bühne, konnten viele Freundschaften geknüpft werden. Mit berechtigtem Stolz erzählt Bremer dann auch, dass die Italiener nach dem WM-Finale nicht direkt von Berlin nach Rom geflogen sind, sondern noch einen Zwischenstopp bei ihren Gastgebern in Duisburg eingelegt haben.
Einen besonderen Stellenwert hat aber sicherlich die im Jahr 2007 vereinbarte Kooperation mit dem türkischen Erstligisten Gaziantepspor – Gaziantep und Duisburg verbindet eine viel versprechende Städtepartnerschaft. Der „absolut sinnvolle Kontakt“ (Bremer) zwischen beiden Vereinen war auf Anregung des Duisburger OBs Adolf Sauerland zustande gekommen. Zusammen sollen nun Freundschaftsspiele, Austausche im Jugendbereich und Trainigsaufenthalte organisiert werden. Vor allem im Jugendbereich sieht Björn Bremer Vorteile für den MSV, hofft er doch auf mehr türkische Talente im Nachwuchsbereich.

 

Und wann fährt der MSV wieder „nach Europa“

Wenn man über Fußball, Duisburg und Europa redet, darf abschließend eine Frage keinesfalls fehlen: „Und wann spielt der MSV wieder im europäischen Wettbewerb?“ Hier ist der Geschäftsführer vorsichtig: „Das ist keine ganz einfache Frage“. Er betont, dass dies ganz schnell passieren kann, wenn man sich über den DFB-Pokal qualifiziert: „Es muss kein langfristiger Trend sein. Es besteht immer die Chance, das relativ kurzfristig zu erreichen“. Im Mittelpunkt steht für Bremer aber eindeutig das Ziel, den Verein zu stabilisieren und langfristig in der ersten Bundesliga zu etablieren. Dafür drücken wir die Daumen und hoffen, dass es nicht mehr allzu lange dauert, bis die Zebras wieder durch Europa reisen - fußballerisch - versteht sich.

Frank Meyer und Stefan Vorderstraße