Lokale Außenpolitik
Duisburg macht Außenpolitik. Anders kann man es nicht nennen, wenn man sich die acht Städtepartnerschaften der Rhein-Ruhr Metropole anschaut. Dabei dreht sich nicht alles nur um Verträge, Abkommen und hohe Diplomatie, es geht vor allem um Begegnungen von Menschen, Verständnis und gegenseitigem Lernen. Dabei sind Freundschaften und Kooperationen mit herausragender historischer Bedeutung entstanden.
Die Feinde von gestern werden Freunde
Zu Beginn steht die 1950 gegründete Städtepartnerschaft mit der südenglischen Stadt Portsmouth, die eine der ersten solcher Kooperationen in der damals neu gegründeten Bundesrepublik war. Das Besondere daran war die Gemeinsamkeit, dass beide Städte im Bombenkrieg schwerste Zerstörungen erfahren hatten. Umso bemerkenswerter war es als der britische Stadtkommandant Captain Colin Hutchinson, der aus Portsmouth stammte, den Kontakt herstellte für die Gründung dieser Städtepartnerschaft. Die Bedeutung fasste der ehemalige Präsident der Europäischen Parlaments, Klaus Hänsch, wie folgt zusammen: „Nicht Staaten, nicht Regierungen, nicht Parteien – Städte und ihre Repräsentanten waren es, die nach der Katastrophe des Krieges die ersten Schritte taten und sich auf den Weg zur Versöhnung machten.“
In dieser mittlerweile 57-jährigen Partnerschaft haben zahlreichen Begegnungen stattgefunden. Neben den offiziellen Kontakten zwischen Politik, Verwaltung, und Wirtschaft, gab und gibt es auch zahlreiche Kooperationen zwischen den Bürgern der beiden Industriestädte. Beispielsweise gibt es einen regelmäßigen Austausch zwischen Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Duisburg Meiderich und Schulen aus Portsmouth. Ein weiteres Beispiel ist die bereits seit über 20 Jahren bestehende Zusammenarbei zwischen homosexuellen Menschen der Partnerstädte. Hierzu exisitiert die Internetpräsenz des „Arbeitskreises Duisburger Lesben und Schwule“ (www.akdulus.de), die über die Lebenssituation von Homosexuellen in Portsmouth, aber auch in den anderen Partnerstädten bzw. deren Ländern informiert.
Häfen und Kultur verbinden Europa
In Frankreich ist Duisburg mit der nördlichen Hafenstadt Calais bereits seit 1964 partnerschaftlich verbunden und erfreut sich stetiger Vitalität.
Die dritte Stadtpartnerschaft innerhalb der Europäischen Union ist die mit der litauischen Hauptstadt Vilnius, die bereits 1985 begründet wurde und aktuell eine interessante Verbindung der europäischen Kulturhauptstädte 2009 (Vilnius) und 2010 (Ruhr) herstellt.
Duisburgs Freunde in aller Welt und auch ganz nah
Besonders erwähnenswert ist, dass Duisburg seit 1982 auch Teil der ersten chinesisch-deutschen Städtepartnerschaft mit Wuhan ist. Neben starken wirtschaftlichen Kontakten entwickelt sich hier mittlerweile auch ein kultureller Austausch.
Die Partnerschaft zur togolesischen Hauptstadt Lomé, die 1973 begründet wurde, ruht derzeit aufgrund der schwierigen politischen Lage in dem afrikanischen Land.
Aktiv dagegen ist die recht junge Partnerschaft zur türkischen Stadt Gaziantep (seit 2005) die neben einem regen Wirtschafts- und Kulturaustausch auch zur Integration der vielen türkischstämmigen Duisburgerinnen und Duisburger beitragen soll.
Präsident und Kanzlerin als Paten
Eine der jüngsten Städtepartnerschaften wurde im Herbst 2007 begründet und verbindet Duisburg mit der russischen Stadt Perm. Die Vorzeichen stehen gut, dass auch diese Partnerschaft sich in die Reihe erfolgreicher Kooperationen und Freundschaften einreihen wird. Schließlich wurde die Partnerschaftsurkunde im Beisein von Kanzlerin Merkel und Präsident Putin unterzeichnet. Es scheint, als habe es sich herumgesprochen, dass die Duisburger wissen, wie man gute Freundschaften aufbaut und pflegt.
Ein neuer Partner im Boot
Zu Beginn des Jahres 2008 ist Duisburg eine neue Städtepartnerschaft mit der zentralamerikanischen Stadt San Pedro Sula in Honduras eingegangen.
Frank Meyer








