Jahreshauptversammlung 2007
Am 16./17. Februar 2007 gastierte die Südosteuropa-Gesellschaft zu ihrer diesjährigen Mitglieder- und Jahreshauptversammlung in Duisburg, die Organisation oblag dem hiesigen Zweigstellenleiter und Professor für Europäische Integration an der Universität Duisburg-Essen, Heinz Jürgen Axt.
Gesellschaftliche "Brückenbauer"
Die Südosteuropa-Gesellschaft (SOG) zählt seit ihrer Gründung 1952 zu den wichtigen Trägern der deutschen auswärtigen Kulturpolitik und kommt ihrer Funktion als "Brückenbauer" sowohl in wirtschaftlicher als auch wissenschaftlicher und kultureller Hinsicht durch ihre Veranstaltungen und Veröffentlichungen nach. Das unter ihren Mitgliedern vereinte Expertenwissen ermöglicht eine kontinuierliche politikbegleitende Diskussion.
Neben einem Symposium des wissenschaftlichen Beirats zum Thema "Wie europäisch ist der Balkan? Wie balkanisch ist Europa?" sowie der internen Mitgliederversammlung stand am Freitag, dem 16.2.07, auch eine kurze Führung durch die Duisburger Innenstadt auf dem Programm, so gab es u.a. eine Besichtigung des Lehmbruck-Museums sowie des Jüdischen Gemeindezentrums. Am Vormittag des 17. Februar 2007 eröffnete dann SOG-Präsident und Staatsminister Gernot Erler, MdB, die öffentliche Jahreshauptversammlung der SOG im gut gefüllten TECTRUM an der Bismarckstraße in Neudorf. In seinem Grußwort drückte Oberbürgermeister Adolf Sauerland seine Freude über die Rückkehr eines Duisburgers (des mazedonischen Außenministers Antonio Milososki) in die Karnevalshochburg Duisburg aus und betonte außerdem die positive Entwicklung der Region rund um Duisburg sowie die Verbindungen der Stadt zu Südosteuropa, wobei er exemplarisch die guten Beziehungen zur türkischen Partnerstadt Gaziantep erwähnte. Weitere Grußworte lieferten Michael Mertes für das Land NRW sowie Lothar Zechlin für die Universität Duisburg-Essen.
Mazedonischer Außenminister Antonio Milosoki als Gastredner
Nach der anschließenden Präsentation der SOG-Jahresarbeit durch ihren Präsidenten Erler gab es zunächst einige Auszeichnungen. Die Förderpreise für wissenschaftlichen Nachwuchs der "Fritz und Helga Exner-Stiftung" wurden von Frau Exner an Nina Wichmann und Franz Horvath für deren Dissertationen, die Sie beide als "hervorragend" bezeichnete, überreicht. Auch die internationale Dimension der SOG kam mit der Ernennung von Armando Pitassio (Professor an der Universität Padua) zum Korrespondierenden Mitglied zu ihrer Geltung. Weiterhin erhielt der Balkan-Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Herr Michael Martens den Journalistenpreis der SOG, die Rudolf-Vogel Medaille und bedankte sich mit einer Rede unter dem bemerkenswerten Titel "Die Abschaffung des Balkans oder Vorsicht vor ironisch gemeinten Bahnhöfen".
Ihren feierlichen Abschluss fand die Jahreshauptversammlung dann mit der Rede des mazedonischen Außenministers Antonio Milososki. Nach dessen (und seiner mitangereisten Delegation) herzlicher Begrüßung durch SOG-Präsident Erler sowie der Vorstellung der Vita des jungen Ministers übergab er mit der Frage "ob ihm die die Fesselung für seine Aufgabe als Minister oder die Fertigstellung der fehlenden 20% seiner Dissertation lieber sei" das Wort an den Festredner.
Die Länder des westlichen Balkans und die europäische Einigung
Außenminister Antonio Milososki dankte zunächst dem Präsidenten und der gesamten SOG für die Einladung, lobte die Arbeit
der Gesellschaft und entschuldigte sich sogleich bei seinem "Vaterprofessor" Prof. Dr. Heinz-Jürgen Axt für die kreative Denkpause, die seine zu 80% fertige Dissertation derzeit aufgrund der aktiven politischen Arbeit mache. Er betonte zunächst seine emotionale Verbundenheit mit Duisburg (und Aachen), ehe er zum Kern seines Vortrags über "Die aktuelle Rolle Makedoniens in Südosteuropa und die Beziehungen zur Europäischen Union" überging und die Hoffnung auf neuen Elan durch die deutsche EU-Präsidentschaft äußerte. Man träume den gleichen Traum, aber schlafe in getrennten Schlafzimmern, so die symbolische Analyse des Ministers, zwar sei die Union heute geeint wie nie, doch ohne die Länder des westlichen Balkans könne sie nicht vereint sein.
Der Beitritt sei keine Einbahnstrasse. Mazedonien habe einen Mehrwert, der in seiner Vitalität, der herrschenden politischen Vernunft, die auf langfristige Interessen ausgerichtet sei und der erfolgreichen Suche nach europäischen Antworten liege, sowie in der Tatsache, dass Mazedonien eine funktionierende multi-ethnische Demokratie sei, die auf den Grundfesten des 2001 geschlossenen Abkommens von Ohrid stehe. Die mazedonische Gesellschaft stelle durch ihre Vielfalt ein Europa in klein dar, so der Minister, der eine von den Roma selbstverwaltete Gemeinde als positives Beispiel der funktionierenden Multi-Ethnizität des Landes pries.
In seiner Reaktion auf die Rede betonte SOG-Präsident Erler die Bedeutung der guten nachbarschaftlichen Beziehungen Mazedoniens, die insbesondere in der Kosovo-Frage sehr wichtig seien. Bei der Frage nach der mazedonischen EU-Perspektive betonte er die Bedeutung der inneren Stabilität Mazedoniens, die Vorrausetzung für die notwendigen Reformen sei. Außerdem unterstrich er die Notwendigkeit der Fortführung der EU-Erweiterungs- und Integrationspolitik, für die Bundesrepublik sei die Erweiterung nicht abgeschlossen, auch der Koalitionsvertrag von 2005 weise mit Bezug auf die Thessaloniki-Beschlüsse von 2003 explizit darauf hin. Die Südosteuropa-Gesellschaft sei in diesem Prozess ein Partner. Mit dem Dank an Außenminister Milososki, der mit großem Beifall bedacht wurde, beendete er schließlich die Jahreshauptversammlung.
Christian Rudt








