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Lebenslanges Lernen im Raum Duisburg

Mit dem sog. „COMENIUS-Programm“ verfolgt die Europäische Union das Ziel, die Zusammenarbeit von Schulen aller Schulstufen und Schulformen innerhalb der Union sowie die Mobilität von Schülern und Lehrern zu fördern. Dass von diesem Projekt auch Duisburger Schulen profitieren, ist dabei den wenigsten Bürgern der Rhein-Ruhrmetropole bekannt.

 

 

Bildung in Europa

Das Europa des 21. Jahrhunderts zeichnet sich durch eine Vielzahl kooperativer Strukturen zwischen den einzelnen europäischen Nationalstaaten aus. Mit dem Beginn der europäischen Bildungskooperation im Jahr 1995 gelangte schließlich auch die stets mit Brisanz diskutierte Thematik der „Bildung“ in den Fokus der europäischen Öffentlichkeit. Zumeist ist der Bereich der Bildung im Zusammenhang mit der PISA- Studie in den Medien vertreten. Dabei geht es allerdings darum, alltags- bzw. berufsrelevante Kenntnisse und Fähigkeiten 15-jähriger Schüler  zu messen und zu vergleichen.

 

Im Gegensatz dazu stehen die beiden Aktionsprogramme „SOKRATES“ und „LEONARDO DA VINCI“. Sie thematisieren und verknüpfen die Zusammenarbeit im Bereich der allgemeinen Bildung bzw. die Gestaltung der beruflichen (Weiter-) Bildung in Europa. Darüber hinaus sind die Programme das Ergebnis einer europäischen Kooperation, die weit über die Grenzen der Europäischen Union hinausgeht. Um die bestehende Zusammenarbeit zu intensivieren und effektiver zu gestalten wurden zeitgleich mit dem Antritt Deutschlands zur EU Ratspräsidentschaft am ersten Januar 2007 die beiden Aktionsprogramme der europäischen Bildungskooperation zusammengeführt: Das Programm für „lebenslanges Lernen“ und die damit verbundenen Subprogramme waren geboren!!!

 

 

Das COMENIUS- Programm

Das COMENIUS- Programm stellt eine von vier Säulen des Programms für lebenslanges Lernen dar. Neben den drei Einzelprogrammen ERASMUS (Hochschulbildung), LEONARDO DA VINCI (Berufliche Bildung) und GRUNDTVIG (Erwachsenenbildung) konzentriert sich das COMENIUS- Projekt insbesondere auf die intensivierte Kooperation im Bereich der Schulbildung im europäischen Raum. Als angestrebtes Ziel dieser Zusammenarbeit wird insbesondere die Erweiterung der fachlichen, methodischen und fremdsprachlichen Kenntnisse von Schülern genannt. Weitere Ziele sind die Förderung der Mobilität und eine verstärkte europäische Integration. Das auf drei Schwerpunkte basierende Programm fokussiert neben der Aus- und Fortbildung des Schulpersonals und der Einrichtung von Netzwerken im Schulbereich insbesondere die Entwicklung sog. „Schulpartnerschaften“.

 

Seit Beginn des Jahres 2007 muss zwischen zwei Typen dieser Schulpartnerschaften differenziert werden. Neben multilateralen Schulpartnerschaften, an denen mindestens drei Schulen aus drei verschiedenen Teilnehmerstaaten beteiligt sind, besteht die Möglichkeit, bilaterale Partnerschaften mit Gruppenaustausch zur Förderung des Fremdsprachenlernens zu vertiefen. Ab einem Mindestalter von zwölf Jahren sind die Schüler dann für mindestens zehn Tage im Ausland unterwegs. In diesem Zusammenhang sollen bis zum Jahr 2013 mindestens drei Millionen Schüler in den gemeinsamen Bildungsaktivitäten involviert sein.

 

 

Finanzierung der COMENIUS- Schulpartnerschaften

Das gesamte Programm für lebenslanges Lernen erstreckt sich über einen Zeitraum von sieben Jahren (2007 - 2013) und ist in dieser Zeit von der Europäischen Union mit einem Budget von sieben Milliarden Euro ausgestattet. In diesem Zusammenhang gilt es zu konstatieren, dass die Förderung des Projekts ausschließlich durch die Europäische Union erfolgt. Die Haushalte der einzelnen im Projekt involvierten Länder werden nicht belastet. Des Weiteren sind die erhaltenen Zuschüsse für alle Teilnehmerstaaten gleich. Dies bedeutet, dass sich die Union von dem vorherigen Modell einer differenzierten finanziellen Unterstützung distanziert hat. So ist bspw. für die Höhe der Zahlungen nicht mehr relevant, ob eine Schule die intensive Koordinierungsarbeit der multilateralen Partnerschaft übernimmt oder letztlich nur als „Projektpartner“ agiert. Von diesem Geld könnten auch insbesondere die Duisburger Schulen profitieren, sofern sie sich für eine aktive Teilnahme am Programm entscheiden würden.

 

 

COMENIUS vor Ort: Das Projekt am Max-Planck-Gymnasium

Dass die im fernen Brüssel erstellten Programme der europäischen Bildungskooperation auch in Duisburg Anwendung finden, zeigt das Max-Planck-Gymnasium in Duisburg eindrucksvoll. Vom 02. bis zum 06. Mai 2007 fand an der Schule die Abschlusskonferenz 2007 des COMENIUS- Projekts statt. Aus insgesamt sechs verschiedenen europäischen Staaten waren Gäste geladen, die allesamt auf der Basis einer verstärkten Schulpartnerschaft mit dem Gymnasium ihr Land in Deutschland repräsentierten. Neben belgischen, niederländischen und italienischen Schülern und Lehrern waren somit auch Vertreter der irischen, tschechischen sowie norwegischen Partnerschulen anwesend - jeweils vier Schüler sowie zwei Lehrkräfte pro Partnerschule.

 

Ziel des Projekts ist es, in den jeweiligen Arbeitsgruppen kulturübergreifende Traditionen und Riten zu zentralen menschlichen Themen und Lebensabschnitten zu vergleichen. In Duisburg wurden die Ergebnisse zu den Themen "Geburt", "Teenager-Dasein" und "Älterwerden" präsentiert. Die gemeinsame Zeit in Duisburg wurde von den Ländern sehr kontaktintensiv genutzt. So stand bspw. neben den Besuchen des Gasometers und des „Centr-Os“ in Oberhausen, auch das gemeinsame Kochen kulinarischer, für die einzelnen Länder spezifischer Gerichte auf dem Tagesprogramm.

 

Auch aus Sicht der Schüler der COMENIUS-AG am Max-Planck-Gymnasium wird das Projekt als lernreich und sehr erfahrungsintensiv beurteilt. Auf die Frage, welche Vorteile sie sich durch eine Teilnahme am COMENIUS-Projekt versprechen, wurden neben den Erfahrungen über neue Kulturen, insbesondere die Vertiefung der Fremdsprachenkenntnisse genannt. Darüber hinaus lernen die Schüler wie es trotz Sprachbarriere möglich ist, mit Teamwork ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

 

Aber auch das Knüpfen neuer Kontakte stand bei den Schülern der Jahrgangsstufe 9 des Duisburger Gymnasiums ganz hoch im Kurs. So sind mit Hilfe des Projekts länderübergreifende Freundschaften entstanden. Diese bestehen allerdings nicht nur aus dem Versenden von Geburtstags- oder Weihnachtsgrüssen, sondern auch durch regelmäßige Kontaktaufnahmen. Zumeist kommunizieren die Schüler per E-Mail und in englischer Sprache miteinander. So können sie zugleich ihre Freundschaften pflegen und ihre Englischkenntnisse anwenden bzw. verfeinern.

 

 

Internetplattform zum gemeinsamen Austausch

In diesem Zusammenhang stellt die Internetseite Schooljournals die nötige Plattform dar, um die bestehenden Kontakte zu intensivieren. Neben Informationsmöglichkeiten über die aktuellen aber auch schon vergangenen Projekte bietet die Seite auch Platz für Eindrücke, Meinungen und Anregungen sowohl von Schülern als auch von Lehrenden aller am Projekt involvierten Länder.

 

 

Die Entwicklung des COMENIUS-Projekts zeigt, dass Europa auf dem richtigen Weg ist. Dem Ziel des Programms multilaterale themen- und bilaterale fremdsprachenbezogene Schulpartnerschaften zu fördern, wird durch die intensive Kooperation der verschiedenen Partnerschulen mehr als Rechnung getragen. Im weiteren Sinne kann man davon sprechen, dass durch das COMENIUS- Projekt eine Basis für eine grenzübergreifende europäische Identität geschaffen worden ist. Zumindest wird durch die Austauschprogramme die Mobilität der Schüler gefördert und ihnen Europa näher gebracht. Ein erster Schritt in Richtung gemeinsames Europa ist in jeder Hinsicht gemacht.

 

 

Steffen Kruchen und Jan Keuthen